Logopädie

Was ist Logopädie?

Logopäden und Logopädinnen sind darin ausgebildet festzustellen, ob eine Sprach-, Sprech-, Stimm- oder auch Schluckstörung vorliegt und wie sie zu behandeln ist. Sie diagnostizieren und therapieren auf der Grundlage einer ärztlichen Verordnung und beraten Patienten und ihre Angehörigen. Im Vorfeld von Erkrankungen können logopädische Beratung und Präventionsangebote dazu beitragen, Kommunikationsstörungen vorzubeugen. Auch während einer Erkrankung können Logopäden helfen, mögliche Folgen für die Sprache, das Sprechen oder die Stimme abzuwenden beziehungsweise abzumildern.

Wie erhalten Sie eine logopädische Behandlung?

Wenden Sie sich an Ihren Allgemein- oder Facharzt (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater, Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Zahnarzt oder Kieferorthopäde, Neurologen). Dieser wird Ihnen eine ärztliche Verordnung über die notwendige therapeutische Maßnahme ausstellen. Dabei wird die wöchentliche Anzahl der Therapiestunden in der Woche und der spezifische Zeitumfang festgelegt.


Müssen Sie die Kosten selbst tragen?

Übernommen werden die Kosten bis zum 18. Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen. Darüber hinaus zahlen Sie einen gesetzlichen Anteil – es sei denn, Sie sind zuzahlungsbefreit. Als Privatpatient besteht ebenfalls die Möglichkeit der Kostenübernahme. 
Kommen Sie als Selbstzahler ohne Verordnung zu uns in die Praxis, wird Ihnen die therapeutische Leistung ebenfalls angeboten.

Gerne möchten wir Ihnen im Folgenden eine Übersicht zu den verschiedenen logopädischen Behandlungsbereichen geben:

Sprachstörungen neurologischer Ursache:

Aphasie: bezeichnet wird eine erworbene Sprachstörung beispielsweise durch einen Schlaganfall in der linken Hirnhälfte. Dabei kann ein Blutgefäß verstopfen (Blutgerinnsel) oder platzen (Einblutung). Die Aphasie kann einen unterschiedlichen Schweregrad umfassen und einen oder mehrere Bereiche des Sprechens, Schreibens, Hörens und Verstehens betreffen.

Sprechstörungen neurologischer Ursache:

Dysarthrie: umfasst verschiedene motorische Sprechstörungen einer angeborenen oder erworbenen Schädigung des Zentralnervensystems oder der Hirnnerven. Dabei kann es zu Ausfällen oder Störungen der Sprechmuskulatur kommen, die sich durch die fehlende Kontrolle über die Motorik der Gesichtsmuskeln, die Zunge, die Lippen und den Kehlkopf äußern können.

Sprechapraxie: zeigt sich in den Bereichen Artikulation, Sprechmelodie, Rhythmus und Sprechverhalten. Beeinträchtigt ist die Planung und Ausführung von Sprechbewegungen. Schlaganfälle sind die häufigste Ursache für eine Sprechapraxie. Es können aber auch Schädel-Hirn-Traumata, Hirntumore oder entzündliche Hirnprozesse ein Auslöser dafür sein.

Sprechstörungen nichtneurologischer Ursache:

Stottern: kennzeichnet sich durch auffällige Blockaden, Wiederholungen oder Dehnungen, wodurch der Redefluss unterbrochen wird. Es kann ab einem bestimmten Alter von einem Schamgefühl beim Sprechen begleitet werden. Dieses äußert sich zum Beispiel durch das Vermeiden bestimmter Alltagssituationen, Minderung der Sprechfreude und dem Rückzug aus dem sozialen Umfeld.

Poltern: das Sprechtempo schwankt zwischen schnell und/ oder unregelmäßig, das hat zur Folge, dass Verschmelzungen, Auslassungen und artikulatorische Veränderungen von Lauten, Silben, Wörtern und Phrasen auftreten. Das Sprechen kann dabei schwer verständlich oder gar unverständlich sein.

Kindliche Sprachentwicklungsstörungen oder -Verzögerungen gelten als nichtaltersgerechte Sprachentwicklung des Kindes, welche sich vor allem im Vor- und Grundschulalter zeigen: diese umfassen den verspäteten Spracherwerb (Late Talker, Late Bloomer), welcher zum selektiven und totalen Mutismus (Schweigen) zu unterscheiden ist. Es treten weiterhin Einschränkungen des Wortschatzes und Sprachverständnisses, Auffälligkeiten in der Grammatik und in der Artikulation (z.B. Lispeln) auf. Außerdem können in der Schule auftretende Lese-, und Rechtschreibschwierigkeiten eine zentral-auditive Verarbeitungs-, und Wahrnehmungsstörung zur Ursache haben. Diese sind häufig gekennzeichnet durch eine mangelnde Konzentration und Aufnahmefähigkeit im Unterricht (auch im Vorschulalter möglich). Richtungshören, Orientierung im Raum (suchender Blick im Klassenraum), Filtern von wichtigen und unwichtigen Informationen fällt schwer, vor allem bei großer Geräuschkulisse.

Stimmstörungen:

Funktionelle Dysphonie: zeichnet sich durch eine auffällige Stimmleistungsfähigkeit aus, der Stimmklang ist verändert (z.B. rau, heiser, behaucht, gepresst, brüchig, kraftlos, belegt). Zugrunde liegt keine erkennbare organische Beeinträchtigung, sondern eine Störung im Bewegungsablauf (Schwingen und Schließen) der Stimmlippen bei der Tongebung.

Organische Dysphonie: charakteristische Veränderungen im Kehlkopf, Rachen, Mund- und Nasenraum (Entzündungen, Lähmungen, gut- oder bösartige Wucherungen) deuten oft auf diese Form der Stimmstörung hin. Patienten berichten vermehrt über Missempfindungen im Bereich des Kehlkopfes, räuspern sich oft und haben einen verstärkten Hustenreiz. Ebenfalls ist der Stimmklang auffällig.


Zu erwähnen ist, dass die Therapieschwerpunkte bei den funktionellen und organisch bedingten Dysphonien sich nicht ausschließlich auf die Stimmgebung beziehen, sondern die Aufmerksamkeit zusätzlich auf die Atmung, die Körperwahrnehmung und -Haltung gerichtet wird.

Psychogene Dysphonie: es kommt durch Stress zu Auffälligkeiten der Stimme, welche teilweise in bestimmten Situationen ausbleiben kann. Beeinflusst werden sie durch psychosomatische und/ oder psychosoziale Veränderungen im Leben des Betroffenen. Sichtbare Begleiterscheinungen wären z.B. Rötungen im Hals- und Gesichtsbereich und feuchte Hände. Wenn der Patient scheinbar keinen Ton erzeugen kann, sondern nur noch flüstert, sich räuspert oder aber stimmhaft lacht, nennt man diese Form psychogene Aphonie. Hier ist zusätzlich eine psychotherapeutische Behandlung erforderlich.

Schluckstörungen funktioneller Ursache:

Myofunktionelle Störungen: Für eine funktionelle Schluckstörung lassen sich meist mehrere Symptome nachweisen. Oft zeigen sich dann typische Anzeichen wie ein inkompletter Mundschluss mit daraus resultierender Mundatmung und erhöhtem Speichelfluss, sowie eine kraftlose und fehlplatzierte Zunge (oft zwischen den Zahnreihen). Wenn es jedoch zu Kiefergelenksblockaden und Kiefer/-Zahnfehlstellungen kommen sollte, wäre es empfehlenswert, einen Kieferorthopäden aufzusuchen. Im kleinkindlichen Bereich kann es zu einem muskulären Ungleichgewicht im Mundbereich kommen, sodass auch teilweise bedingt das Schlucken, Saugen (an der Brust und an der Flasche), Kauen und der Mundschluss beeinträchtigt sein können.  Dies kann auch eine Zahn- oder Kieferfehlstellung zur Folge haben. Es zeigt sich dann z.B. ein offener Biss (durch zu intensives nuckeln am Daumen oder Schnuller) oder auch ein Kreuzbiss, der ebenfalls kieferorthopädisch (Zahnspange im Kindes-/Jugendalter) behandelt werden müsste. Anderenfalls könnten sich bei dem Kind Auffälligkeiten in der Artikulation oder bei der Nahrungsaufnahme manifestieren.

Schluckstörungen organischer Ursache:

Dysphagie: Eine organische Schluckstörung tritt oft bei neurologischen (Schlaganfall, MS, ALS oder Schädelhirntrauma) oder tumorbedingten Erkrankungen auf. Die Patienten verschlucken sich oft und husten während oder direkt nach dem Essen. In Extremfällen könnte es sogar zur Atemnot führen. Auf Grund verminderter Sensibilität im Mundraum können Speichel oder Nahrungsreste über die Mundwinkel austreten oder im Mundraum zurückbleiben. Die Gefahr, dass dabei Speisereste unbemerkt in die Luftröhre gelangen könnten, ist sehr hoch. Häufige Anzeichen für eine organische Schluckstörung können Schmerzen beim Schlucken, Haltungsänderungen (Kopfvorschub), plötzliche und unklare Gewichtsabnahme, sowie die Vermeidung von öffentlichen „Essanlässen“ sein.


Zum weiteren Therapiebereich der logopädischen Behandlungen sind abschließend die Lippen-, Kiefer- und Gaumensegelfehlbildungen zu erwähnen, bei denen die Verbesserung der Schluck- und Sprechfunktionen im Mittelpunkt stehen.

Quellen

  • Flexikon.Doccheck.com
  • dbl
  • Wikipedia
  • netdoktor